

Yuri Arcurs - Fotolia.com
Es war einmal eine kleine Wolke, die war nicht viel größer als ein Sonnenhut. Sie hing zwischen zwei Felszacken an einem Berggipfel. Von unten konnte man sie gar nicht sehen, denn der Berg war von Schnee bedeckt und fast so weiß wie die kleine Wolke.Aber dann kam die Sonne. Sie schien auf die verschneiten Berghänge zwischen den Felszacken. Dunst stieg auf. Plötzlich begann die kleine Wolke zu wachsen. Erst war sie so groß wie ein Kopfkissen, dann so groß wie eine Bettdecke, dann so groß wie ein flauschiger Teppich. Schließlich löste sie sich vom Berg. Sie stieg langsam, ganz langsam nach oben. Sie dehnte und reckte sich und sah über die Bergspitzen. Was wohl auf der anderen Seite des Berges war? Sie fühlte sich auf einmal ganz leicht und schwebte in das Blau des Himmels hinein.Sie reiste weit über das Land. Sie zog über grüne Täler, flog eine Weile an einem Flug entlang, der sie wie ein Wegweiser durch die Landschaft führte. Sie spiegelte sich in einem See. Sie flog über Dörfer und Städte. Als sie über einem großen Wald war, traf sie andere Wolken. Sie spielten eine Weile Fangen im Wind. Dann schlossen sie sich zu einer großen Wolkengruppe zusammen. Sie formten um die Wette verschiedene Wolkenbilder."Mal sehen, wer das schönste Wolkentier machen kann!" rief die kleine Wolke. Die anderen Wolken spielten begeistert mit. Sie ballten sich zu Kühen und Schweinen zusammen. Ein Bär, ein Känguruh und ein Drache jagten einander. Und dann gab es eine ganze Herde Wolkenschafe. Die kleine Wolke kuschelte sich zusammen und sah schließlich wie eine schneeweiße Katze aus. Die Menschen auf der Erde bemerkten gar nicht, wie schön die Wolken waren, weil sie vor lauter Eile keine Zeit hatten, zum Himmel zu schauen.Endlich sah ein Kind in die Wolken und rief : "Seht doch die schöneWolke! Sie sieht wie eine Katze auf einer blauen Decke aus!"Da war die kleine Wolke sehr stolz. Die anderen Wolken ärgerten sich schwarz, weil das Kind die Tiere, die sie geformt hatten, nicht erkannt hatte! Sie grummelten und grollten."Da gibt man sich soviel Mühe für nichts und wieder nichts!" rief die Wolke, die ein Drache gewesen war. "Her mit Blitz und Donner! Jetzt gibt es aber ein Gewitter!"Enger und enger drückten sich die verärgerten Wolken zusammen. Ganz schwarz waren sie schon, als sie über der Stadt ankamen. Sie drängelten und rammten einander wie Autoscooter auf dem Jahrmarkt. Das war vielleicht ein Gedonner! Und endlich platzten sie vor Wut. Da begann es zu regnen. Und die kleine weiße Wolke? Die regnete ein bißchen mit. Sie tröpfelte auf das Dach, unter dem das Kind wohnte. Sie klopfte an seine Fensterscheibe. Und als später die Sonne wieder schien, entstand an der Stelle, an der die kleine Wolke gewesen war, ein wunderschöner Regenbogen.